„Luxemburg muss sich als attraktives internationales Zentrum für Talente und ihre Familien positionieren“
Luxembourg

„Luxemburg muss sich als attraktives internationales Zentrum für Talente und ihre Familien positionieren“

Xavier Foucaud
Redaktionsleiter
Ende 2025 stellte die luxemburgische Handelskammer Talent4Luxembourg vor, einen strategischen Plan zur Gewinnung, Entwicklung und Bindung von Talenten im Großherzogtum. Muriel Morbé, Direktorin für Talent & Kompetenzen bei der Handelskammer, erläutert.
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Ende 2025 stellte die Handelskammer die Publikation Talent4Luxembourg vor, die sich um 34 Empfehlungen und 6 strategische Leitlinien dreht, um dem Fachkräftemangel und dem Bedarf an 335.000 neuen Arbeitskräften bis 2040 zu begegnen.

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Die Bindung von Talenten ist ein zentrales Thema, insbesondere aufgrund der hohen Fluktuation, der Abhängigkeit von ausländischen Arbeitskräften (74 % der Beschäftigten) und der Herausforderungen im Zusammenhang mit der Integration von Familien und Senioren.

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Um seine Attraktivität zu steigern, möchte sich Luxemburg mit konkreten Instrumenten wie der Plattform „Work in Luxembourg“ und dem Support-Service „Talent Desk“ als internationaler Knotenpunkt positionieren.

Ende 2025 stellte die luxemburgische Handelskammer den Plan „Talent4Luxembourg“ vor, der darauf abzielt, die Attraktivität des Großherzogtums zu steigern und auf Spannungen auf dem Arbeitsmarkt zu reagieren.

Talent4Luxembourg enthält 34 konkrete Empfehlungen, die sich um sechs strategische Prioritäten gruppieren und darauf abzielen, die Attraktivität Luxemburgs zu steigern, Talente zu fördern und im Land zu halten.

Wir treffen Muriel Morbé, Direktorin für Talente und Kompetenzen bei der Luxemburger Handelskammer und CEO der House of Training.

Welche der 34 Empfehlungen sind die vorrangigen Maßnahmen, um Luxemburg für internationale Talente attraktiver zu machen?

Unter den vorrangigen Empfehlungen betonte die Handelskammer, wie wichtig es für Luxemburg ist, sich als attraktiver internationaler Standort für Talente und ihre Familien zu positionieren. Dazu gehört es, die Sichtbarkeit des Landes auf globaler Ebene zu stärken, eine wirkungsvolle nationale Arbeitgebermarke zu schaffen und ein digitales und physisches Begrüßungs- und Unterstützungssystem für Talente, ihre Familien und Arbeitgeber zu entwickeln.

Als Mitglied des Hohen Ausschusses für die Anwerbung, Bindung und Entwicklung von Talenten unter dem Vorsitz des Wirtschaftsministeriums arbeitet die Handelskammer mit Ministerien, Verwaltungen, anderen Berufskammern und ihrem Partnernetzwerk zusammen, um gemeinsam konkrete und zugängliche Lösungen zu entwickeln.

‍Welche konkreten Lösungen werden bereits in Betracht gezogen, um diese Prioritäten umzusetzen?

Die Mitglieder des Hohen Ausschusses für die Anwerbung, Bindung und Entwicklung von Talenten unter dem Vorsitz des Wirtschaftsministeriums haben beschlossen, ihre Bemühungen unter einer gemeinsamen Marke zu bündeln: Work in Luxembourg. Das Portal Work in Luxembourg soll sowohl für internationale Talente als auch für Unternehmen, die im Ausland rekrutieren, zur zentralen Anlaufstelle für das Großherzogtum werden.

Ergänzend zum Portal ist der Talent Desk, der von der Handelskammer in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsministerium und der Handwerkskammer betrieben wird, eine zentrale Anlaufstelle, die internationale Talente und ihre Familien berät und unterstützt und Unternehmen bei ihren Rekrutierungsbemühungen hilft. Er soll administrative Hindernisse beseitigen und internationalen Talenten und Unternehmen persönliche Unterstützung bieten. Er arbeitet synergetisch mit einem großen Netzwerk institutioneller Partner zusammen.

LESEN : Talent4Luxembourg: ein strategischer Plan zur Gewinnung, Entwicklung und Bindung von Talenten im Großherzogtum

Das Thema Talentbindung ist auch ein zentraler Bestandteil des Plans „Talent4Luxembourg“. Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen, die Sie derzeit in Luxemburg sehen, insbesondere aus Sicht der Arbeitnehmer?

Mit einem Anteil von 74 % an Arbeitnehmern ohne luxemburgische Staatsangehörigkeit ist der luxemburgische Arbeitsmarkt atypisch. Die Herausforderungen im Bereich der Talentbindung in Luxemburg sind vielfältig und betreffen sowohl die Arbeitsbedingungen als auch das Lebensumfeld der bestehenden Arbeitnehmer.

Trotz einer positiven Nettozuwanderung verzeichnet das Land eine erhebliche Fluktuation mit 25.725 Zuzügen und 16.444 Wegzügen im Jahr 2024. Das Verständnis der Gründe für das Verlassen des Landes, eine gezieltere Personalbeschaffung und die Gewährleistung der Integration bei der Ankunft sind für die Stabilität der Qualifikationen und die langfristige Wirtschaftsleistung von entscheidender Bedeutung.

"Luxemburg verfügt über echte Stärken in mehreren strategischen Sektoren, insbesondere die Verteidigung und die künstliche Intelligenz."


Wenn es um Integration geht, ist der Prozess noch komplizierter, wenn man als Paar oder Familie umzieht...

Die Integration von Familien ist ein entscheidender Faktor: Der Zugang zu Arbeitsplätzen für Ehepartner, die Verfügbarkeit von Plätzen in internationalen Schulen und der Bedarf an strukturierter Unterstützung bei der Ankunft werden regelmäßig als große Herausforderungen für die langfristige Bindung internationaler Talente genannt.

Um die berufliche und soziale Integration der Ehepartner internationaler Talente zu erleichtern, ist für 2026 ein Ehepartnerprogramm geplant, das dazu beitragen soll, Talente und ihre Familien in Luxemburg zu halten. Dieses Programm wird von der Handelskammer in enger Zusammenarbeit mit dem House of Training, dem Wirtschaftsministerium und dem Ministerium für Familie, Solidarität, Zusammenleben und Aufnahme organisiert.


Wenn man bestimmte Sektoren genauer betrachtet, wo liegen dann die vielversprechendsten Möglichkeiten, um die Attraktivität des Landes in den kommenden Jahren zu steigern?

Luxemburg verfügt über echte Stärken in mehreren strategischen Sektoren. Einige Bereiche bieten jedoch noch weiteres Entwicklungspotenzial in Bezug auf die Attraktivität, insbesondere die Verteidigung und die künstliche Intelligenz.

Diese Bereiche unterliegen einem raschen Wandel und erfordern hochspezialisierte Kompetenzen. Die Steigerung der Bekanntheit des Landes bei diesen talentierten Personen bei gleichzeitiger Entwicklung eines geeigneten Ausbildungs- und Innovationsökosystems bietet die Chance, den Kompetenzpool langfristig zu erweitern und zu festigen.


Muriel Morbé, Direktorin für Talente und Kompetenzen, Karin Scholtes, Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Talente” der Handelskammer, Carlo Thelen, Geschäftsführer der Handelskammer, Sylvia Ridlesprige, Managerin für allgemeine Angelegenheiten und Partnerschaften © Michel Zavagno/Blitz


Der demografische Wandel wird Luxemburg in den kommenden Jahren vor eine Herausforderung stellen, da die Zahl der Erwerbstätigen laut IGSS von 490.000 im Jahr 2022 auf 645.000 im Jahr 2040 steigen dürfte. Bis 2040 müssen insgesamt 335.000 Menschen in allen Branchen eingestellt werden, was etwa 68 % der derzeitigen gesamten inländischen Erwerbsbevölkerung entspricht.

Die demografische Situation Luxemburgs stellt in der Tat eine große Herausforderung dar. Senioren beispielsweise sind eine unzureichend genutzte strategische Ressource. Angesichts eines der niedrigsten effektiven Renteneintrittsalter in der OECD und einer Beschäftigungsquote von maximal 49 % für 55- bis 64-Jährige ist es für die Stärkung der Stabilität und Kontinuität von Organisationen unerlässlich, diese Menschen in Beschäftigung zu halten, Einstellungszuschüsse für über 45-Jährige zu mobilisieren und ihre Kompetenzen durch die Förderung des generationsübergreifenden Transfers zu stärken.

"Die Mobilisierung von Einstellungszuschüssen für über 45-Jährige und die Förderung ihrer Kompetenzen durch die Förderung des generationsübergreifenden Transfers sind unerlässlich, um die Stabilität und Kontinuität von Organisationen zu stärken."


Sollte das Großherzogtum auch anderswo nach Talenten suchen?

Die Frage der Bindung betrifft auch die Fähigkeit des Landes, im Ausland lebende Luxemburger zur Rückkehr zu bewegen, seien es Studenten, die ihr Studium im Ausland absolvieren, junge Absolventen oder erfahrene Fachkräfte. Ihre Rückkehr ist ein strategischer Hebel, um den lokalen Talentpool zu stärken, international erworbene neue Kompetenzen einzubringen und die Diversifizierung der Wirtschaft zu unterstützen.

LESEN: Luxemburg stärkt seine internationale Attraktivität mit zwei neuen Tools für Talente

Das Großherzogtum muss nicht nur neue Talente anziehen, sondern auch die bereits im Land vorhandenen Talente halten. Wie kann dies erreicht werden?

Die Attraktivität des Landes hängt auch davon ab, die bereits in Luxemburg vorhandenen Talente zu fördern und weiterzuentwickeln. In einem Umfeld, das durch Fachkräftemangel und begrenzte Möglichkeiten zur Anwerbung internationaler Talente gekennzeichnet ist, ist die Weiterbildung ein wichtiger Hebel, um die Beschäftigungsfähigkeit zu fördern, den künftigen Bedarf des Arbeitsmarktes zu antizipieren und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu unterstützen.

Die Handelskammer mobilisiert ihr Fachwissen im Bereich der Weiterbildung, insbesondere durch das House of Training. Dieser Ansatz steht in vollem Einklang mit den Leitlinien von Talent4Luxembourg und stärkt ergänzend die Attraktivität des Landes für internationale Talente und die Weiterqualifizierung des lokalen Talentpools - zwei wesentliche Dimensionen für die Sicherung der Widerstandsfähigkeit des Arbeitsmarktes in Luxemburg.

Bild: © Marion Dessard

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