Globaler Fachkräftemangel: KI-Kenntnisse werden zur knappsten Ressource
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Globaler Fachkräftemangel: KI-Kenntnisse werden zur knappsten Ressource

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Das Redaktionsteam
Die neueste Ausgabe des jährlichen Barometers der ManpowerGroup bestätigt, dass die Schwierigkeiten bei der Personalbeschaffung weltweit strukturell bestehen bleiben, wobei erstmals künstliche Intelligenz die neue Hierarchie der gefragtesten Fähigkeiten anführt. In Luxemburg ist dieser globale Trend auf einem Arbeitsmarkt, der bereits bei mehreren Schlüsselprofilen unter Druck steht, besonders ausgeprägt.
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Laut der Studie „2026” von ManpowerGroup sind 72 % der Arbeitgeber weltweit vom Fachkräftemangel betroffen, ein Niveau, das trotz eines leichten Rückgangs gegenüber dem Vorjahr historisch hoch bleibt.

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Kompetenzen im Bereich der künstlichen Intelligenz übertreffen mittlerweile Ingenieurswesen und traditionelle IT als die am schwierigsten zu findenden Ressourcen.

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In Luxemburg gehören laut offiziellen Daten der ADEM die Bereiche Finanzen, IT und Gesundheitswesen weiterhin zu den am stärksten betroffenen Branchen.

Die am 26. Februar 2026 veröffentlichte neueste Ausgabe der Global Talent Shortage Survey von ManpowerGroup, an der 39.000 Arbeitgeber in 41 Ländern teilgenommen haben, zeichnet ein differenziertes Bild des globalen Arbeitsmarktes. Während der Gesamtanteil der Arbeitgeber, die Schwierigkeiten bei der Personalbeschaffung haben, leicht von 74 % auf 72 % gesunken ist, hat der Fachkräftemangel mit 72 % der Arbeitgeber, die Schwierigkeiten bei der Personalbeschaffung melden, einen historischen Höchststand erreicht. Die Studie zeigt, dass die Krise nicht abklingt, sondern sich verändert.

Ein globaler Mangel, der sich weiterentwickelt, aber nicht abklingt

Zum ersten Mal haben Kenntnisse im Bereich künstliche Intelligenz alle anderen Fähigkeiten überholt und sind weltweit am schwierigsten zu finden, noch vor Ingenieurswissen und traditionellen IT-Kenntnissen. Konkret stehen die Entwicklung von KI-Modellen und -Anwendungen (20 %) sowie allgemeine KI-Kenntnisse (19 %) nun ganz oben auf der Liste der gefragtesten Fähigkeiten.

Ingenieurwesen, Vertrieb und Marketing sowie industrielle Fertigung vervollständigen das Bild. „Der Aufstieg der KI-Kenntnisse an die Spitze der Liste spiegelt wider, wie schnell sich die Talentlandschaft verändert“, sagt Jonas Prising, CEO der ManpowerGroup. „Unternehmen reagieren darauf mit Weiterbildungen und flexibleren Personalmodellen, da sie erkannt haben, dass sie potenzielle Mitarbeiter einstellen und gleichzeitig die KI-Kultur ihrer Mitarbeiter fördern müssen."

"Unternehmen reagieren darauf mit Weiterbildungen und flexibleren Personalmodellen, da sie erkannt haben, dass sie potenzielle Mitarbeiter einstellen und gleichzeitig die KI-Kultur ihrer Mitarbeiter fördern müssen."

Unterschiedliche Ergebnisse nach Land und Branche

Die geografische Lage bestimmt weiterhin maßgeblich das Ausmaß des Fachkräftemangels. Arbeitgeber in Deutschland (83 %), Frankreich (74 %) und Großbritannien (73 %) sehen sich mit einem erheblichen Mangel konfrontiert, während die Vereinigten Staaten (69 %) leicht unter dem globalen Durchschnitt liegen. China (48 %) sticht als der große Markt mit dem geringsten Druck hervor. Am anderen Ende des Spektrums weisen die Slowakei (87 %), Griechenland und Japan (jeweils 84 %) den höchsten Druck auf, während Finnland (60 %) und Polen (57 %) vergleichsweise weniger betroffen sind.

Der Mangel ist auch branchenübergreifend weit verbreitet. Der Informationssektor weist die höchste Knappheitsrate auf (75 %), dicht gefolgt vom Gastgewerbe (74 %) und dem öffentlichen Sektor, dem Gesundheits- und Sozialwesen (74 %). Professionelle, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen (73 %), das verarbeitende Gewerbe (72 %) sowie das Finanz- und Versicherungswesen (7 %) sind ebenfalls von weitreichenden Engpässen betroffen. Dieser letzte Punkt ist besonders wichtig für eine Volkswirtschaft wie die Luxemburgs, in der der Finanzsektor eine zentrale Rolle spielt.

Auch die Größe der Unternehmen spielt eine wichtige Rolle. Große Unternehmen mit 1.000 bis 4.999 Beschäftigten weisen mit 75 % die höchste Mangelquote auf, die damit um 11 Prozentpunkte höher ist als bei sehr kleinen Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten, deren Mangelquote bei 64 % liegt.

Strategien der Arbeitgeber zum Umgang mit dem Mangel an geeigneten Bewerbern

Angesichts dieses strukturellen Mangels bleiben die Unternehmen nicht untätig. 91 % der befragten Arbeitgeber setzen eine Reihe von Strategien um. Weiterqualifizierung und Umschulung sind mit 27 % die beliebtesten Strategien, gefolgt von flexibleren Arbeitszeiten (20 %) und Arbeitsorten (18 %). Höhere Gehälter (19 %) und die Ansprache neuer Talentpools (18 %) sind ebenfalls wichtige Faktoren.

Dieser Trend zur Weiterqualifizierung ist nicht unerheblich. Er spiegelt das wachsende Bewusstsein wider, dass in einem Umfeld, in dem Kandidaten mit KI-Kenntnissen auf dem externen Markt praktisch nicht zu finden sind, die Weiterbildung zur Lösung der Wahl wird. Die Arbeitgeber konzentrieren sich stärker auf die interne Entwicklung, aber auch flexible Arbeitszeiten und Arbeitsorte spielen eine wichtige Rolle bei den eingesetzten Strategien. Die Bindung bestehender Talente entwickelt sich somit neben der Rekrutierung zu einer strategischen Priorität.

Die Studie sendet auch ein starkes Signal, dass sich der Wert von Kompetenzen auf dem globalen Arbeitsmarkt grundlegend verändert. Vielseitige Profile, die Branchenkenntnisse mit der Beherrschung von KI-Tools verbinden, werden unabhängig von der Größe des Unternehmens oder der Branche immer gefragter. Dieser Wandel veranlasst Personalabteilungen dazu, ihre Kompetenzrahmen, Gehaltsstrukturen und internen Schulungsprogramme zu überdenken.

Luxemburg sieht sich mit einem Mangel in seinen Schlüsselbranchen konfrontiert

Das Großherzogtum bildet keine Ausnahme von diesem globalen Trend. Obwohl Luxemburg nicht einzeln in den Daten des ManpowerGroup-Barometers aufgeführt ist, bestätigen nationale Quellen den anhaltenden Druck auf viele Berufe. Die im Amtsblatt veröffentlichte Liste der Berufe mit akutem Fachkräftemangel für das Jahr 2025 nennt 22 Berufe, für die über ADEM nur sehr wenige Kandidaten verfügbar sind, gegenüber 24 im Vorjahr.

Die betroffenen Sektoren spiegeln weitgehend die auf internationaler Ebene festgestellten Trends wider. Die Berufe, die unter Druck stehen, sind hauptsächlich in den Bereichen Finanzen, IT, Ingenieurwesen, Gesundheits- und Körperpflege, Sozialarbeit und Unternehmensdienstleistungen wie Personalwesen, Buchhaltung, Wirtschaftsprüfung und Rechtsberatung zu finden. Diese Situation untergräbt direkt die wirtschaftlichen Grundlagen des Großherzogtums, dessen Wettbewerbsfähigkeit in hohem Maße von der Verfügbarkeit hochqualifizierter Fachkräfte in diesen Bereichen abhängt.

Die Daten von Eurostat bestätigen das Ausmaß der Herausforderung: Im Jahr 2024 gaben drei Viertel der luxemburgischen Arbeitgeber an, Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Fachkräften im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie zu haben. Diese besonders hohe Zahl verdeutlicht den spezifischen Druck auf IT-Profile in einem Land, in dem Finanz- und Unternehmensdienstleistungen die größten Abnehmer von technologischen Talenten sind.

"Der Fachkräftemangel, die Qualifikationslücke und unsere gemeinsamen Bemühungen, Menschen in Beschäftigung zu halten, sind Anliegen der Regierung, der Unternehmen und unserer Gesellschaft.“

Der Fachkräftemangel im Mittelpunkt der lokalen Debatte

Die luxemburgische Regierung ist sich dieser Herausforderung bewusst und hat dieses Thema ganz oben auf ihre Agenda gesetzt. Bei der Vorstellung des Jahresberichts der ADEM erklärte Arbeitsminister Georges Mischo: „Der Fachkräftemangel, die Qualifikationslücke und unsere gemeinsamen Bemühungen, Menschen in Beschäftigung zu halten, sind Anliegen der Regierung, der Unternehmen und unserer Gesellschaft.“ Diese Aussage spiegelt den systemischen Charakter des Problems in Luxemburg wider. Im Januar 2026 kündigten das Wirtschafts- und das Arbeitsministerium gemeinsam die Einführung zweier neuer Instrumente zur Gewinnung von Fachkräften an, um diesen anhaltenden Spannungen entgegenzuwirken.

Die Einzigartigkeit Luxemburgs ergibt sich auch aus der Struktur seines Arbeitsmarktes. Da laut STATEC-Daten fast 47 % der Arbeitnehmer Grenzgänger sind, ist das Großherzogtum strukturell auf einen grenzüberschreitenden und internationalen Rekrutierungspool angewiesen. Diese Offenheit reicht jedoch nicht mehr aus, um den wachsenden Bedarf an seltenen Profilen auszugleichen, insbesondere in den Bereichen künstliche Intelligenz, Cybersicherheit und Compliance, die in einem Land, das ein führendes Finanzzentrum in Europa bleiben will, schnell wachsende Sektoren sind.

Für Luxemburg, einen kleinen, stark internalisierten Markt, der in strategischen Sektoren wie Finanzen, IT und Gesundheitswesen auf hochqualifizierte Fachkräfte angewiesen ist, ist der Druck umso größer, als der verfügbare Talentpool begrenzt bleibt. Die Antwort liegt zwangsläufig in einer Kombination aus Maßnahmen zur Gewinnung internationaler Talente, massiven Investitionen in die Weiterbildung und einer besseren Abstimmung zwischen den Bedürfnissen der Arbeitgeber und den Karrierewegen, die Arbeitssuchenden angeboten werden. Dieses Projekt, das von der ADEM und den Personalverantwortlichen des Landes seit langem identifiziert wurde, erhält eine neue Dimension, da die KI den globalen Arbeitsmarkt neu ordnet.

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