
„Quittoking" bezeichnet das Filmen, Inszenieren und Verbreiten des Kündigungsmoments oder der dazugehörigen Geschichte in sozialen Medien, insbesondere auf TikTok.
Dieses Phänomen spiegelt eine tiefere Entfremdung der Arbeitnehmer und eine wachsende Forderung nach Transparenz gegenüber den Arbeitgebern wider, vor dem Hintergrund eines Misstrauens gegenüber den traditionellen internen Kanälen.
In Luxemburg bleibt der rechtliche Rahmen für eine Kündigung streng, und Recruiter prüfen zunehmend den Online-Ruf der Kandidaten, was die Praxis des „Quittoking" für den weiteren Karriereverlauf besonders riskant macht.
Lange Zeit war eine Kündigung eine diskrete, manchmal angespannte Angelegenheit, die sich jedoch auf das Büro der Personalverantwortlichen beschränkte. Diese Grenze zwischen Berufs- und Privatleben verschwimmt zunehmend mit dem Aufkommen des „Quittoking", diesem neuen Kofferwort, das die Kunst beschreibt, die eigene Kündigung zu filmen und in sozialen Medien zu veröffentlichen.
Das Phänomen, das im Vereinigten Königreich entstand, bevor es sich in den USA verbreitete, erreicht heute Europa, insbesondere Frankreich, wie eine auf The Conversation veröffentlichte Analyse von Elodie Gentina, Professorin an der IESEG School of Management, aufzeigt. Für die Forscherin „spiegelt dieser Trend einen tiefgreifenden Wandel der beruflichen Beziehungen in einem Umfeld wider, in dem jeder Einzelne seine Arbeitserfahrung öffentlich machen kann".
Der Hashtag #quittok zählt heute mehrere zehn Millionen Aufrufe, und manche Kündigungsvideos erreichen innerhalb weniger Tage ein Publikum, das mit nationalen Medienkampagnen vergleichbar ist. Ein besonders markanter Fall verdeutlicht diesen Wandel: Im Vereinigten Königreich erzeugte eine gefilmte Massenkündigung in einem McDonald's-Restaurant innerhalb weniger Stunden mehr als 16 Millionen Aufrufe, während in den USA mehrere Amazon-Mitarbeiter ihren Abgang ebenfalls öffentlich machten, indem sie ihre Arbeitsbedingungen offen kritisierten, wie ein Artikel der Website Mediavenir zu diesem Phänomen im Detail beschreibt.
Elodie Gentina erklärt, dass „die Untersuchung der von Arbeitnehmern auf TikTok, LinkedIn oder Reddit veröffentlichten Aussagen wiederkehrende Muster zeigt": Arbeitsüberlastung, mangelnde Anerkennung, als unangemessen empfundene Führungspraktiken und ein Verlust an Sinnhaftigkeit. Ihrer Ansicht nach „nutzen manche Arbeitnehmer, in Ermangelung interner Kanäle, die als wirksam gelten, den öffentlichen Raum, um ihre Erfahrungen zu äußern und die Organisationen direkt anzusprechen".

Auch wenn Quittoking eine Verschiebung des Kräfteverhältnisses zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern widerspiegelt, gibt es keine Garantie dafür, dass dies für diejenigen, die sich darauf einlassen, folgenlos bleibt. Die Forscherin der IESEG weist darauf hin, dass es in einem von digitaler Hypervisibilität geprägten Arbeitsmarkt zwar dazu beitragen kann, „ein Image der Authentizität zu stärken und Empathie zu wecken", wenn man seine Kündigung öffentlich macht, dass dies aber auch „von manchen Recruitern als Zeichen von Konfliktbereitschaft oder mangelnder beruflicher Diskretion wahrgenommen werden" kann, vor allem da Arbeitgeber inzwischen routinemäßig soziale Medien im Rahmen ihres Einstellungsprozesses überprüfen.
Diese Wachsamkeit der Recruiter ist nicht nur in Frankreich oder im Vereinigten Königreich zu beobachten. In Luxemburg weist ein von Paperjam veröffentlichter Artikel darauf hin, dass die Online-Überprüfung des Kandidatenprofils als erster Kontaktpunkt zwischen einem Arbeitgeber und einem Kandidaten dient und dass sich Recruiter auf diese Informationen stützen, um ein detaillierteres Screening durchzuführen, das mitunter mit einem „Background Check" kombiniert wird. In einem so kleinen und internationalen Arbeitsmarkt wie dem des Großherzogtums verschwindet ein virales Kündigungsvideo nicht einfach, sondern kann einen Kandidaten noch lange nach seinem Weggang aus dem Unternehmen begleiten.
"Ist Quittoking keine Anomalie, sondern das Symptom eines strukturellen Wandels im Verhältnis zur Arbeit."
Über die Frage des Images hinaus wirft Quittoking auch rechtliche Fragen auf. In Luxemburg regelt das Arbeitsrecht die Bedingungen, unter denen ein Arbeitnehmer das Unternehmen verlassen kann, streng. Laut den Informationen der Arbeits- und Bergbauinspektion (ITM) muss eine Kündigung aus einer klaren, durchdachten und eindeutigen Entscheidung des Arbeitnehmers hervorgehen, der sie per Einschreiben oder durch persönliche Übergabe gegen Unterschrift mitteilen muss: Eine mündliche Kündigung, und erst recht eine für soziale Medien gefilmte Kündigung ohne diese schriftliche Form, wird im Allgemeinen nicht als gültig anerkannt.
Das Portal Guichet.lu weist darüber hinaus darauf hin, dass der Arbeitnehmer eine Kündigungsfrist einhalten muss, deren Dauer von seiner Betriebszugehörigkeit abhängt, und dass diese Kündigung nach ihrer Mitteilung unwiderruflich wird, sofern der Arbeitgeber nicht etwas anderes zustimmt. Die Inszenierung des eigenen Abgangs auf TikTok ändert somit nichts an den weiterhin geltenden vertraglichen Verpflichtungen und kann die Beziehung zu einem Arbeitgeber sogar belasten, der feststellt, dass interne Unternehmensinformationen öffentlich gemacht wurden, insbesondere wenn die Verträge Vertraulichkeits- oder Loyalitätsklauseln enthalten.
Über seine spektakuläre Seite hinaus ist Quittoking keine bloße vorübergehende Modeerscheinung in den sozialen Medien. Für Elodie Gentina „ist Quittoking keine Anomalie, sondern das Symptom eines strukturellen Wandels im Verhältnis zur Arbeit", der eine tiefere Entfremdung der Arbeitnehmer und eine wachsende Forderung nach Übereinstimmung zwischen dem, was Unternehmen verkünden, und dem, was ihre Mitarbeiter tatsächlich im Alltag erleben, offenbart.
Die Forscherin fügt hinzu, dass „in einem Kontext, in dem alles öffentlich werden kann, sich Unternehmen nicht mehr verstecken können", und es sich daher nicht mehr leisten können, frühe Warnsignale der Entfremdung zu ignorieren, bevor diese sich mitunter lautstark im öffentlichen digitalen Raum äußern.
Für die Personalabteilungen, sei es in Luxemburg oder anderswo, besteht die Herausforderung daher darin, die internen Kommunikationskanäle zu stärken, Abgänge mit derselben Sorgfalt wie Einstellungen zu behandeln und das Reputationsrisiko, das eine schlecht gehandhabte Kündigung darstellen kann, vorauszusehen.
Für Arbeitnehmer, die in Versuchung geraten, ihren Abgang viral zu inszenieren, ist Vorsicht geboten: In einem so internationalisierten und konzentrierten Arbeitsmarkt wie dem Luxemburgs kann ein Quittoking-Video zwar ein Publikum für sich gewinnen, aber auch eine künftige Bewerbung gefährden.