
Hinter der vom CHL zur Schau gestellten Stabilität haben mehrere Krankenhausberufe nach wie vor Schwierigkeiten, genügend qualifizierte Bewerber zu finden.
Das luxemburgische Gesundheitssystem ist nach wie vor stark von Grenzgängern abhängig, während die Zahl der im Land ausgebildeten Absolventen unzureichend bleibt.
Belastende Arbeitszeiten, ein anspruchsvoller Beruf und die neuen Prioritäten jüngerer Arbeitnehmer verändern die Einstellung zur Krankenhausarbeit grundlegend.
„Wenn die Grenzen während der Covid-Pandemie geschlossen worden wären, hätte Luxemburg die Krise nicht bewältigen können." Diese Feststellung von Daniela Collas, Pflegedirektorin am CHL, fasst eine im luxemburgischen Krankenhaussektor bekannte Realität zusammen: die starke Abhängigkeit von Grenzgängern.
In französischen Grenzgebieten arbeitet mehr als einer von neun Gesundheitsfachkräften im Ausland, die Hälfte davon im Großherzogtum. Davon sind 53% Pflegefachkräfte. Dies geht aus einer im März 2026 vom INSEE veröffentlichten Studie hervor. Sie verdeutlicht eine starke Abhängigkeit von externer Arbeitskraft und belastet zudem die grenzüberschreitenden Lebensräume, die mit ihren eigenen Rekrutierungsschwierigkeiten konfrontiert sind.
Am CHL, dem führenden öffentlichen Krankenhaus Luxemburgs, arbeiten derzeit 3.000 Mitarbeiter vor Ort, darunter 1.194 Pflegefachkräfte. Trotz der andernorts beobachteten Ungleichgewichte gibt das Haus an, bei dieser Berufsgruppe keinen Mangel zu verzeichnen.
Die Anerkennung ausländischer Qualifikationen stellt laut CHL kein wesentliches Hindernis bei der Rekrutierung dar. Es bestehen Gleichwertigkeitsverfahren, die im Ausland ausgebildeten Pflegefachkräften, einschließlich Grenzgängern, den Zugang zu Stellen ermöglichen.
„Das CHL wird zunehmend attraktiver", sagt Olivier Schmitt, der seit zwei Jahren Personalleiter ist. Das Krankenhaus erhält mehr als 9.145 Bewerbungen pro Jahr. Dieser Befund gilt jedoch nicht für alle Berufsgruppen.
"In Luxemburg bilden sich nur wenige Menschen für diesen Beruf aus."
Der eigentliche Mangel betrifft medizinisch-technische Assistenten in der Chirurgie. „In Luxemburg bilden sich nur wenige Menschen für diesen Beruf aus", erklärt Daniela Collas, die 1.753 Pflegekräfte leitet.
Hinter dieser Schwierigkeit erkennt die Pflegedirektorin einen strukturellen Bedarf: Das Land bildet nicht genügend Gesundheitsfachkräfte aus. Seit zwei Jahren werden an der Universität Luxemburg verschiedene Bachelor-Studiengänge für Pflegeberufe angeboten, zusätzlich zum Höheren Techniker-Zertifikat an der ENSA, der Nationalen Gesundheitsschule Luxemburgs. Doch die Jahrgänge bleiben begrenzt, mit maximal 30 bis 50 Studierenden pro Jahr. „Das reicht nicht", stellt sie fest.
Für Olivier Schmitt geht die Frage über die bloße Anzahl der Absolventen hinaus. Er plädiert für mehr duale Ausbildung und praktische Einbindung. „Man muss mit den Anforderungen des Arbeitsalltags Schritt halten." Seiner Ansicht nach müssen die Studierenden sowohl akademisches Wissen als auch die technischen Handgriffe in der Patientenversorgung entwickeln.
"Wenn ein junger Mensch anfängt, in einem Krankenhaus zu arbeiten, bleibt er nicht mehr sein ganzes Leben lang dort."
Die mangelnde Attraktivität der Pflegearbeit bleibt ebenfalls ein zentrales Thema. „Der Beruf hat kein attraktives Image", räumt Daniela Collas ein. Körperliche Belastung, Nachtschichten, Wochenenddienste, hoher Druck - die Belastungen bleiben erheblich. Sie ist auch der Meinung, dass das historische Bild der Krankenschwester als bloße „Ausführende" weiterhin auf die Berufswahl drückt.
Die Einstellung zur Arbeit verändert sich ebenfalls. „Wenn ein junger Mensch anfängt, in einem Krankenhaus zu arbeiten, bleibt er nicht mehr sein ganzes Leben lang dort", beobachtet sie. Dasselbe stellt man auf der Seite der Personalverwaltung fest. Olivier Schmitt verweist auf eine Generation Z, die mehr Wert auf die Work-Life-Balance legt. „Die Selbstaufopferung, die wir früher kannten, ist verschwunden", bemerkt er. Seiner Ansicht nach suchen junge Fachkräfte mehr Flexibilität und zeigen weniger Interesse an Führungspositionen.
Sollte man Pflegefachkräfte einfach besser bezahlen, um das Problem zu lösen? „Davon bin ich nicht überzeugt", antwortet Olivier Schmitt. „Das System ist bereits großzügig. Die eigentliche Herausforderung liegt in der Anerkennung der Arbeit und der menschlichen Wertschätzung, die den Teams entgegengebracht wird."
Das Thema geht daher weit über die Vergütung hinaus. Lokale Ausbildung, Arbeitsbedingungen, veränderte berufliche Erwartungen - der Mangel an Pflegepersonal in Luxemburg erscheint vor allem als Symptom eines Krankenhausmodells im Wandel. Und in einem Land, in dem die Krankenhäuser stark auf Grenzgänger angewiesen sind, wird die Frage ebenso zur strategischen wie zur gesundheitspolitischen Herausforderung.